Der Komponist

Werkschau, themenorientiert

Werkverzeichnis, chronologisch

Ein Künstlerleben

Ein Lebenskünstler

Sinnliches Eintauchen auf Desktop-Gerät

Sie besuchen Cerha Online scheinbar über ein mobiles Gerät. Auf dieser Plattform befinden sich rund 400 A4 Seiten Text, hochauflösende Scans großer Partituren und sorgfältig ausgewählte Fotos. Ein sinnliches Eintauchen erfolgt am besten über ein Desktop-Gerät.

Aus einzelnen Tönen entwickelt sich ein dichtes Geflecht ­­– die Musik Friedrich Cerhas klingt schon auf dem Papier: Seine Skizze scheint ein gigantisches Gewächs abzubilden, das immer wieder neue Triebe hervorbringt. Kaum verwunderlich, dass dieser Abschnitt aus seinem Orchesterwerk Monumentum „Verzweigungen“ heißt.
Weit verzweigt zeigt sich auch das mehr als 80 Jahre überbrückende Œuvre des ‚Doyen‘ der Neuen Musik Österreichs. Das vom „Science Call Digitalisierung 2017“ des Landes Niederösterreich unterstützte und von Univ.-Prof. Dr. Matthias Henke ins Leben gerufene Projekt „Cerha Online“ hat sich zum Ziel gesetzt, Cerhas Werk einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu erschließen. Herzstück: eine themenorientierte Werkschau. Sie ist multiperspektivisch angelegt, indem sie Zugänge aus allen möglichen Richtungen anbietet, seien sie naturwissenschaftlicher, politischer oder historischer Prägung. So entsteht ein facettenreiches Bild von Cerha und seiner tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der Welt und ihrer Vielgestaltigkeit.
„Cerha Online“ möchte ein Ort der Begegnung sein, der eine fantasievolle, aber auch sachorientierte Annäherung an eine der großen Komponistenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ermöglicht. Zudem kann das Projekt als Prototyp für jene Digitalisierungsprojekte dienen, die sich künftig der Erschließung künstlerischer Vorlässe widmen. Mit „Cerha Online“ öffnet das Archiv der Zeitgenossen in Krems an der Donau seine Schatzkammern, global und barrierefrei für alle, die es wissen wollen.

FRIEDRICH CERHA

wurde 1926 in Wien geboren. Unangepasst war er schon als Kind: Seine freie Zeit verbrachte er am liebsten mit ‚Außenseitern‘ der Gesellschaft. Im Krieg desertierte der junge Soldat zwei Mal, um das Ende des Völkermordens als Hüttenwirt in den Tiroler Bergen zu erleben. Dort haderte er mit der Frage, ob er in die Zivilisation zurückkehren solle. Zum Glück siegte die Neugier. In den Nachkriegsjahren studierte Cerha parallel an der Musikakademie und der Universität Wien, promovierte bereits 1950 über persische Dichtung und ihre europäische Rezeption. Zeitgleich erkundete er die neuesten künstlerischen Strömungen der Hauptstadt, erweiterte er seinen Werkkatalog um Kompositionen der verschiedensten Gattungen und trat auch als Geiger in Erscheinung. 1956 fand er bei den Darmstädter Ferienkursen den ersehnten Anschluss an die internationale Musikavantgarde. Dem Aufführungsdefizit von Neuer Musik in Wien wirkte er wenig später selbst entgegen: Gemeinsam mit Kurt Schwertsik gründete er das Ensemble „die reihe“, dirigierte es viele Jahre und leistete so Pionierarbeit. Seine Tätigkeit als Dirigent führte ihn danach auf das globale Parkett, wo er mit zahlreichen renommierten Orchestern und Ensembles zusammenarbeitete. Die Wiener Musikhochschule berief ihn 1976 zum Professor für „Komposition, Notation und Interpretation neuer Musik“. Drei Jahre später ließ die erste Komplettaufführung von Alban Bergs Lulu aufhorchen, dessen dritten Akt Cerha akribisch rekonstruiert hatte. Eigene Opern folgten: Baal (Salzburger Festspiele 1981), Der Rattenfänger (Steirischer Herbst 1987) und Der Riese vom Steinfeld (Staatsoper Wien 2002). Zahlreiche Aufträge, Preise und Ehrungen, unter ihnen 2017 das Ehrendoktorat an der Universität in Siegen, bekräftigten sein hohes Ansehen. Künstlerisch aktiv ist Friedrich Cerha aber auch auf anderen Gebieten: Als Maler, Literat, Bildhauer oder Architekt. Kurzum: ein universeller Gestalter.

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